UNTERNEHMEN


Das Jahr 1990 bedeutete aufgrund des gesellschaftlichen Umbruchs für fast alle Firmen und Einrichtungen der neuen Bundesländer gewissermaßen eine Stunde Null.
Das sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass unsere persönlichen und beruflichen Wurzeln und Werdegänge weitaus früher datiert sind. In unserem speziellen Fall bedeutet dies, dass wir im Jahr 1990 bereits auf eine fast 30 jährliche Tradition der Straßenbauforschung und Baustoffprüfung in der damaligen Abteilung Straße des VEB EIBS aufbauen konnten. Wie so viele andere in unserem Land waren auch wir mit der Wirtschafts- und Währungsunion gezwungen uns beruflich neu zu orientieren. Relativ schnell war erkennbar, dass für den Bereich Forschung des VEB EIBS im Vergleich mit der übermächtigen Bundesanstalt des Straßenwesens keine Überlebenschancen bestanden.
Beim Vergleich der Strukturen des Forschungs- und Prüfwesens im Verkehrsbau in Ost und West hatten wir die Notwendigkeit privatrechtlich geführter unabhängiger Prüfstellen und eine damit verbundene Chance für einen Neuanfang erkannt.
Beseelt von der allgemein vorherrschenden Aufbruchstimmung meldeten Herr Kotzurek und Herr Jung am 1.10.1990 noch beim Rat des Kreises Strausberg der damals noch 3 Tage lang existierenden DDR ein Gewerbe für ein Baustoffprüflabor an und waren das
1. privatrechtlich geführte unabhängige Prüflabor in Brandenburg bzw. vielleicht sogar in den neuen Ländern.
Das der Schritt in die Selbständigkeit  zu aller erst bedeutet "selbst" und "ständig" zu arbeiten lernte man sehr schnell. Neben dem notwendigen Mut und der Zielstrebigkeit gehört zu jeder erfolgreichen Unternehmensgründung auch die nötige Portion Glück. Für uns bedeutete dies zunächst einmal die Bereitschaft der Autobahndirektion als Rechtsnachfolger für einen Teil der Hinterlassenschaft des VEB EIBS uns das kleine Forschungslabor in Neuenhagen zu vermieten und die vorhandene Laborausrüstung zu verkaufen.
Dadurch waren wir in die Lage versetzt unsere Geschäftstätigkeit sofort in allen wichtigen Bereichen der Bautoffprüfung im Verkehrsbau aufzunehmen bzw. weiterzuführen.
Eine Binsenweisheit der Marktwirtschaft lautet : Man muss mit dem richtigen Produkt zur richtigen Zeit auf dem Markt sein. Eines der Produkte die wir anzubieten hatten war die Baustoffprüfung im Rahmen der Qualitätssicherung von Verkehrsbauvorhaben.
Aber wem sollten wir es verkaufen ? In der damaligen DDR war die Qualitätssicherung fast ausschließlich als innerbetriebliche Eigenüberwachung der TKO's in den großen Tief- und Verkehsbaukombinaten angesiedelt. Im Zuge der wirtschaflichen Neuorientierung  wurden diese Einrichtungen als " nicht gewinnbringend" zumeist aufgelöst. Folgerichtig kamen unsere ersten Aufträge aus dem Bereich der Eigenüberwachung von Nachfolgebetrieben des ehemaligen VTK Frankfurt/Oder.
Kontrollprüfungen der Auftraggebers im Rahmen eines 2-stufigen Qualitätssicherungs-systems waren in den ehemaligen Straßenbauverwaltungen der DDR bis zur Wende weitestgehend unüblich. Aber schon ab 1991 entwickelte sich diesbezüglich eine gute konstruktive Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Autobahnamt und den Straßenbauverwaltungen Ost- und Nordbrandenburgs welche bis heute Bestand hat. In diesem Zusammenhang stellte sich schnell die Frage nach einer entsprechenden Zulassung für die Durchführung von Kontrollprüfungen durch die oberste Straßenbaubehörde. Fachkenntnis allein genügte nicht. Die Laborausstattung musste den jetzt gültigen DIN-Vorschriften entsprechen. Baustoffprüfung ist glücklicherweise ein sehr konservatives Geschäft und Dichte definiert sich in Ost und West gleichermaßen als Quotient aus Masse und Volumen. Trotzdem musste ein großer Teil der alten Prüfgeräte im Rahmen einer gewählten Übergangsfrist ersetzt bzw. ergänzt werden.

So wurde uns bereits im April  1991 eine zunächst entsprechend einer für die neuen Bundesländer geltenden Regelung befristete Anerkennung nach RAP-Stra ausgesprochen welche dann nach Vorliegen aller gerätetechnischer Voraussetzungen unbefristet verlängert wurde. Unsere anfängliche Monopolstellung als einzige privatrechtlich geführte zugelassene Prüfstelle in Brandenburg wurde in den Folgejahren schnell durch andere Prüfinstitute bzw. durch den sich bildenden wirtschaftlichen Großraum Berlin-Brandenburg beendet.
Das Zusammenleben der nun bestehenden Prüflabore war jedoch aufgrund der Vielfalt und Größe der zu lösenden Aufgaben nicht durch ellenbogenharten Verdrängungs-wettbewerb, sondern eher durch konstrutive Zusammenarbeit geprägt.
Eine stetig wachsende Zahl an Kunden und Aufträgen ließ uns ständig an der Grenze des Machbaren arbeiten bzw. hieß den wachsenden Aufgaben durch  Neueinstellungen und neue Investitionen Rechnung tragen. Ende 1994 schließlich wurden die bis dahin genutzten Laborräume in der ehemaligen Außenstelle des VEB EIBS in Neuenhagen endgültig zu klein und wir beschlossen ein neues, den speziellen Bedürfnissen eines Baustofflabors entsprechendes Labor- und Bürogebäude zu errichten. Im Mai 1995 dann bezogen wir unser neues Domizil im Gewerbegebiet Tasdorf Süd in Rüdersdorf.
Seit unserem Gründungsjahr versuchten wir ständig eine möglichst große Vielfalt an Fachgebieten im Straßen-,Wasser- und Erdbau zu bearbeiten und möglichst jeden Kunden zu bedienen um einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden. Daraus ergab sich die Herausforderung noch über den RAP Stra Bereich hinausgehende bauaufsichtlichen Zulassungen als Prüf- und Zertifizierungsstelle für mineralische Zuschläge für Beton und als Überwachungsstelle im Betonbau zu erlangen.
Die immer anspruchsvoller werdenden Aufgaben  sowie die Notwendigkeit hinsichtlich der Fachkenntnis unserer Kundschaft immer um die sprichwörtliche Nasenlänge voraus zu sein, ergab eine personelle Spezialisierung innerhalb unserer Mannschaft, welche durch entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen ständig gepflegt wird.

gekürzter Auszug aus der Festrede zum 10-jährigem Jubiläum der stra/lab GbR am 28.09.2000

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